Im Januar (9.–11.) nahm unsere Crew an der chilenischen Meisterschaft der Piratenklasse in Concón teil. Eine nationale Meisterschaft in Chile in einer stark deutsch geprägten Bootsklasse ist sicherlich ungewöhnlich. Da unser Steuermann aus Chile stammt, ergab sich jedoch die Möglichkeit, an dieser Regatta teilzunehmen und unseren Verein international zu vertreten. Die Flüge wurden bereits im Sommer gebucht, und an Heiligabend begann die rund 25-stündige Anreise nach Südamerika.


Die Regatta wurde im Heimatverein von Franz Dieter ausgetragen. Der Anreisetag diente der Organisation vor Ort, dem Aufbau der Boote sowie der Vermessung. Diese verlief nach chilenischen Maßstäben vergleichsweise unkompliziert: Ein Messbrief war nicht erforderlich, und auch eine vollständige Gewichtskontrolle fand nicht statt. War ein Boot zu leicht, wurde das Mindestgewicht pragmatisch durch das Einlegen einer Wasserflasche im Doppelboden erreicht.

Gesegelt wurden klassische Up-and-Down-Kurse mit zwei Runden. Am Vortag der Meisterschaft konnten zwei Trainingswettfahrten absolviert werden. Der erste Lauf war von sehr instabilem und schwachem Wind geprägt, im zweiten setzte sich bereits eine gleichmäßigere Brise durch. Die Bedingungen unterschieden sich deutlich von heimischen Revieren: ein sehr großes Revier, lange Pazifikwellen und – normalerweise – ein stabiler Seewind. Beide Trainingsrennen konnten wir für uns entscheiden, was uns einen guten Eindruck von Revier, Material und Trimm vermittelte.
Der erste Regattatag begann mit stabilem Wind und für Pazifikverhältnisse ungewöhnlich flachem Wasser. In der ersten Wettfahrt setzte nahezu das gesamte Feld auf die linke Seite der Kreuz. Wir entschieden uns für die rechte Seite, was sich als taktischer Fehler herausstellte. Nach einer durchwachsenen ersten Runde beendeten wir das Rennen auf dem sechsten Platz. In den beiden folgenden Wettfahrten orientierten wir uns ebenfalls nach links, konnten gute Starts segeln, die Bootsgeschwindigkeit ausspielen und beide Rennen souverän gewinnen. Damit übernahmen wir nach dem ersten Tag die Führung in der Gesamtwertung.

Am zweiten Regattatag änderten sich die Bedingungen deutlich. Der Wind ließ spürbar nach und pendelte über weite Strecken im unteren Bereich. Diese Leichtwindbedingungen kamen insbesondere einer sehr leichten Damencrew entgegen, während wir Schwierigkeiten hatten, unser Boot konstant auf Geschwindigkeit zu halten. Die Platzierungen – ein erster, ein dritter und ein vierter Platz – führten dazu, dass wir in der Gesamtwertung zurückfielen. Leichtwind ist für dieses Revier eher untypisch: Normalerweise liegt morgens eine dichte Nebelwand über dem Meer, die sich gegen Mittag auflöst und eine zuverlässige thermische Seebrise freigibt. Während dieser Meisterschaft blieb diese Thermik jedoch weitgehend aus.
Vor dem finalen Regattatag war die Ausgangslage klar: Um den Titel noch zu gewinnen, mussten wir die verbleibenden Wettfahrten vor der führenden Damencrew beenden. Die Vorhersage versprach nur eine leichte Windzunahme. Im ersten Rennen gelang uns ein sehr guter Start, wir fanden früh freien Wind und konnten die Wettfahrt souverän gewinnen. Auch im zweiten Rennen lagen wir von Beginn an in Schlagdistanz zur Spitze. Kurz nach dem Start kam es zu einer Vorfahrtsituation, in der wir einem anderen Boot die Vorfahrt nahmen. Wir bereinigten uns regelkonform und setzten das Rennen fort. Auf dem Wasser gelang es uns dennoch, das Feld zu kontrollieren und als Erste ins Ziel zu segeln.

An Land folgte jedoch die Ernüchterung: Das betroffene Team legte Protest ein, der von der Jury zu unseren Ungunsten entschieden wurde. Für diese Wettfahrt wurden wir disqualifiziert, wodurch wir in der Gesamtwertung auf den zweiten Platz zurückfielen. Die Enttäuschung war entsprechend groß, dennoch überwog am Ende der Stolz auf die gezeigte seglerische Leistung. Über die gesamte Meisterschaft hinweg konnten wir unter sehr unterschiedlichen Bedingungen konkurrenzfähig segeln und bis zum letzten Rennen um den Titel kämpfen.

Nach Abschluss der Regatta machten wir das geliehene Boot klar und übergaben es den Eignern zurück. Für uns ging es anschließend zurück nach Deutschland – mit vielen neuen Eindrücken, wertvollen Erfahrungen auf einem anspruchsvollen Pazifikrevier und einem starken zweiten Platz bei einer internationalen Piraten-Meisterschaft.
Ein schönes Gefühl auch am anderen Ende der Welt mit dem Verein verbunden zu sein

