Jan und Florian auf großer Schärenfahrt rund um Åland
Die Stockholm Archipelago Raid 2026 war für Jan und mich, Florian, eine außergewöhnliche, harte und zugleich großartige Erfahrung. Auch wenn wir die Regatta auf dem letzten Platz beendet haben, fühlen wir uns als Gewinner: Wir sind angekommen, haben jeden Lauf beendet, alle Checkpoints passiert und unsere wichtigsten persönlichen Ziele erreicht.

Die 26. Stockholm Archipelago Raid wurde diesmal vollständig in der finnischen, schwedischsprachigen Inselwelt Ålands gesegelt. Nach 1200 km Anfahrt lagen Start und Ziel in Mariehamn auf der Insel Aland. Auf dem Programm standen vier intensive Tage mit zwei bis drei Wettfahrten pro Tag – zwischen offenem Wasser, engen Schärenpassagen, kleinen Inseln und anspruchsvollen Navigationsaufgaben. Insgesamt gingen 16 Teams aus fünf Nationen an den Start.
Mehr als eine Regatta
Eine Archipelago Raid ist keine gewöhnliche Regatta auf einer übersichtlichen Bahn. Sie verlangt von einem Zweierteam weit mehr als nur schnelles Segeln: Konzentration, Ausdauer, Vertrauen, Wetterbeobachtung, Routenplanung und präzise Navigation gehören genauso dazu wie Bootsbeherrschung.
Für Jan und mich war die Herausforderung besonders groß. Es war unsere erste gemeinsame Regatta überhaupt – und zugleich unsere erste Regatta auf einem Formula-18-Katamaran. Dazu hatten wir im Teilnehmerfeld das älteste Boot und im Vergleich zu vielen anderen Teams die geringste Erfahrung mit dieser Art von Langstreckenregatta.
Gerade deshalb sind wir stolz darauf, was wir erreicht haben. Wir sind nicht mit dem Anspruch gestartet, die schnellsten zu sein, sondern wollten als Team wachsen, Erfahrungen sammeln und die gesamte Regatta aus eigener Kraft beenden.


Wind, Geschwindigkeit und Kenterungen
Die Schären von Åland verlangten uns alles ab. Überall liegen Inseln, Untiefen und Felsen; der vermeintlich direkte Weg ist oft nicht der schnellste – und manchmal schlicht nicht befahrbar. Die Entscheidung zwischen einem längeren, sicheren Kurs und einer engen Abkürzung musste immer wieder neu getroffen werden.
In nur vier Tagen legten wir auf unserem F18 rund 320 Kilometer durch die Schären von Åland zurück. Jeder Kilometer verlangte volle Konzentration: schnelle Passagen auf offenem Wasser wechselten sich mit engen Kursen zwischen Inseln, Felsen und Untiefen ab. Bei bis zu 6 bis 7 Windstärken und Geschwindigkeiten von maximal 22 Knoten waren die Etappen körperlich wie mental eine echte Herausforderung.
Leicht war es nicht. Wir hatten mehrere Kenterungen und mussten uns jedes Mal wieder sammeln, das Boot aufrichten und weitersegeln. Besonders in solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig Vorbereitung, eingespielte Abläufe und gegenseitige Unterstützung an Bord sind.
Entscheidend für uns war: Trotz aller Kenterungen brauchten wir keine externe Hilfe. Wir konnten unser Boot stets selbst wieder klarmachen und die Etappen fortsetzen. Ebenso wichtig: Wir haben keinen Felsen gerammt. In einem Revier, in dem Navigation und Aufmerksamkeit permanent gefordert sind, ist das für uns ein echter Erfolg.

Rückhalt von zu Hause
Eine besonders schöne Überraschung war die große Anteilnahme von Familie, Freunden, Vereinsmitgliedern und allen weiteren Unterstützern zu Hause. Unser WhatsApp-Kanal wurde von viel mehr Menschen verfolgt, als wir erwartet hatten. Die vielen positiven Nachrichten und Rückmeldungen haben uns während der Regatta sehr motiviert.
Auch das Live-GPS-Tracking wurde intensiv genutzt. Zu wissen, dass so viele Menschen unsere Route mitverfolgen, bei den einzelnen Etappen mitfiebern und nach einer Kenterung oder einer schwierigen Passage auf ein Zeichen von uns warteten, war ein tolles Gefühl. Dieser Rückhalt hat uns in anstrengenden Momenten zusätzlichen Antrieb gegeben.
Vielen Dank an alle, die unseren Weg über den WhatsApp-Kanal und das Live-Tracking begleitet haben. Ihr wart zwar nicht an Bord, aber ihr wart ein wichtiger Teil dieses Abenteuers.

Unsere Ziele erreicht
Das Ergebnis in der Gesamtwertung war für uns diesmal zweitrangig. Natürlich wäre es schön gewesen, weiter vorn zu landen – doch unsere Ziele waren klar definiert:
- Sicher in Mariehamn ankommen
- Jeden einzelnen Lauf beenden
- Alle vorgeschriebenen Checkpoints passieren
- Als Team durchhalten und selbstständig bleiben
- Boot und Crew heil durch die Regatta bringen
- Erfahrungen für kommende F18-Regatten sammeln
Alle diese Ziele haben wir erreicht. Deshalb blicken wir mit Stolz auf diese Tage zurück. Letzter zu werden bedeutet bei einer solchen Langstrecken- und Navigationsregatta nicht, gescheitert zu sein. Wer vier Tage unter diesen Bedingungen durchsegelt, nach Kenterungen wieder aufsteht, jede Etappe zu Ende bringt und ohne fremde Hilfe ins Ziel kommt, hat etwas geschafft.

Neue Freunde und Blick nach vorn
Neben der sportlichen Herausforderung bleiben vor allem die Landschaft, die Gemeinschaft und die Stimmung in Erinnerung. Die Åland-Schären mit ihren Felsen, kleinen Inseln und offenen Wasserflächen waren ein beeindruckendes Revier. Abends warteten die Basislager mit Essen, Austausch mit den anderen Teams und den für die Veranstaltung typischen Saunen – eine willkommene Erholung nach langen, fordernden Tagen auf dem Wasser.
Besonders schön war der Kontakt zu den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Wir haben viele neue Freunde kennengelernt, Erfahrungen ausgetauscht und erlebt, wie hilfsbereit und offen die internationale F18- und Raid-Gemeinschaft ist. Trotz des sportlichen Wettbewerbs stand das gemeinsame Abenteuer immer im Mittelpunkt.
Für Jan und mich war die Stockholm Archipelago Raid 2026 ein echtes Abenteuer und eine Erfahrung, die uns als Team noch enger zusammengeschweißt hat. Wir haben viel gelernt: über uns selbst, über unser Boot, über Navigation und darüber, wie viel man gemeinsam erreichen kann, wenn man nicht aufgibt.
Wir werden daran arbeiten, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein – dann mit mehr Erfahrung, einem noch besser eingespielten Team und hoffentlich einigen weiteren Knoten Geschwindigkeit. Wir sind angekommen. Wir haben durchgehalten. Und wir wollen wiederkommen.

